#162 Die Bildungsweltmeister - Alexander Brand

Shownotes

Was machen die besten Schulen der Welt anders – und was davon hält auch in der Erwachsenenbildung? 

Sechs Monate, vier Länder, eine Frage: Was unterscheidet ein wirksames Bildungssystem von einem gut gemeinten? Alexander Brand hat Schulen in Finnland, Estland, Japan und Singapur besucht und ist mit einer unbequemen Erkenntnis zurückgekommen.

Gute Bildung hängt nicht an den engagierten Einzelnen. Sie hängt an Strukturen, die gemeinsames Lernen überhaupt erst ermöglichen.

In dieser Folge spreche ich mit Alexander Brand über dessen Buch «Die Bildungsweltmeister». Brand ist ausgebildeter Lehrer, unterrichtet an einer Hamburger Stadtteilschule und arbeitet als Redakteur beim Deutschen Schulportal der Robert Bosch Stiftung. Im Gespräch geht es um Lehrkräfte als Forschende ihrer eigenen Praxis, um die japanische «Lesson Study» und um Karrierewege, die didaktische Expertise dort halten, wo sie hingehört: im Klassenzimmer.

Doch der eigentliche Reiz liegt im Transfer. Was heisst «professionelle Lerngemeinschaft» für Dozierende, Trainerinnen, Kursleitende? Und wie kommen wir aus der Einzelkämpferlogik heraus – hin zu einem Ökosystem geteilten Wissens? 

Eine Folge über Vertrauen, Präzision und kollektive Professionalität. Und über die Frage, warum das beste Argument für gute Bildung selten der einzelne Held ist.

Themen dieser Folge:

Was Finnland, Estland, Japan und Singapur anders machen

Lehrkräfte als Forschende ihrer eigenen Praxis

Lesson Study und kollegiale Unterrichtsentwicklung

Fortbildung als Teil des Berufsalltags

Vom Einzelkämpfertum zum forschenden Kollektiv

 🎧🎧🎧 Reinhören lohnt sich.

Website von Alexander Brand: https://alexanderbrand.de/

LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/alexanderbrand1/

Buch „Die Bildungsweltmeister": https://www.amazon.de/Die-Bildungsweltmeister-besten-Schulen-lernen/dp/3407869258  

Leseprobe: Leseprobe: https://www.bic-media.com/widget/?isbn=9783407869258&buyUrl=https://beltz.de/9783407869258

Lesson Study - Beitrag im Deutschen Schulportal: https://deutsches-schulportal.de/unterricht/mit-lesson-study-den-eigenen-unterricht-erforschen/

Autorenseite Deutsches Schulportal: https://deutsches-schulportal.de/autoren/alexander-brand/

Instagram: https://www.instagram.com/alexanderbrand1/

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Dann unterstütze ich dich gerne dabei. Vereinbare gleich hier ein Kontaktgespräch: education-minds.ch/kontakt

Transkript anzeigen

00:00:00: Wir investieren ganz stark in die Lehrkräfteausbildung, haben eine der längsten Lehrkräfterausbildungen der Welt.

00:00:05: Aber unsere Fortbildung ist im internationalen Vergleich ziemlich unterbelichtet.

00:00:09: Nur vier Bundesländer überhaupt eine quantifizierte Fortbildungspflicht.

00:00:13: also wir sagen okay so und so viele Stunden pro Schuh ja sollte man sich fortbilden als Lehrkart.

00:00:18: Singapust mit hundert Stunden natürlich weit wahnsinnig voraus auch in den internationalen Durchschnitt.

00:00:25: Herzlich

00:00:25: willkommen

00:00:26: zu einer neuen Episode

00:00:27: meines Podcasts

00:00:29: Education Minds didaktische Reduktion und Erwachsenenbildung.

00:00:34: Ich bin Ivo Würst,

00:00:35: Trainer-

00:00:36: und Fachbuchautor

00:00:37: – und unterstütze

00:00:38: Unternehmen,

00:00:39: Institutionen und Bildungsorganisationen ihre Arbeit im Bereich der Erwachsenenbildung zu professionalisieren!

00:00:46: In diesem Podcast spreche ich mit kompetenten Gästen über innovative Formen der Bildungsarbeit.

00:00:53: Du gewinnst wertvolle Hinweise und

00:00:55: Inputs

00:00:55: rund um das Thema didaktischer Reduktionen

00:00:58: und Erwachsene.

00:01:00: Ich freue mich, dass du heute wieder mit dabei bist.

00:01:02: Willkommen zu einer neuen Folge von Education Minds – etaktische Reduktion und Erwachsenenbildung!

00:01:08: Heute ist Alexander Brand bei mir im Gespräch.

00:01:11: Wir sprechen über ein Thema das weit über die Schule hinaus relevant ist Was machen die Bildungsweltmeister anders?

00:01:19: Und was können wir in der Erwachsenbildung daraus lernen?

00:01:22: Mein Gast verbindet zwei Perspektiven.

00:01:25: Er ist ausgebildeter Lehrer und unterrichtet nebenberuflich an einer Stadtteilschule in Hamburg.

00:01:31: Hauptberuflig arbeitete er als Redakteur für das Deutsche Schulportal der Robert-Bosch-Stiftung, wo er über Bildungsforschung und Schulentwicklung schreibt.

00:01:40: Für sein neues Buch Die Bildungsweltmeister Eine Reise zu den besten Schulen der Welt Und was wir von ihnen lernen können?

00:01:48: Schienen.

00:01:48: im Februar zwanzig sechsundzwanzig.

00:01:50: bei Welts hat er sechs Monate lang die Schulen in Finnland Estland, Japan und Singapur besucht.

00:01:57: Alexander!

00:01:57: Schön dass du heute bei mir auf Besuch bist.

00:02:01: Vielen Dank für die Einladung Evo.

00:02:03: Bevor wir richtig einsteigen hier wie immer meine Frage zu Beginn erzähl uns etwas aus deinem Leben.

00:02:09: Ja wir werden heute viel über darüber sprechen was sie vom Ausland lernen können aber tatsächlich verbindet mich oder beschäftigt diese Frage schon mein ganzes Leben lang.

00:02:17: Also ich bin selber halfamerikaner, meine Mutter ist amerikanerin, mein Vater ist Deutscher und ich habe auch schon als Schülerzeit in den USA verbracht und auch im Studium war ich viel im Ausland unterwegs.

00:02:27: In den USA, in Finnland hab' ich Auslandssemester gemacht dann noch ein Master an Glasgow also... Ich

00:02:40: freue mich auf unser Gespräch, Blick über den Tellerrand.

00:02:43: Das wird natürlich hochinteressant heute und... Zu Beginn will ich so ein bisschen einsteigen, mit der Überlegung Lernen ist und bleibt ja eine Art Black Box.

00:02:52: Wir wissen nicht genau was da in den einzelnen Köpfen passiert.

00:02:57: Du hast dich aber in Finnland ... Ich habe vorhin gesagt Japan auch Singapur umgeschaut das sind alles sehr unterschiedliche Länder mit sehr unterschiedlichen Kulturen.

00:03:08: Warum gerade diese Auswahl von Ländern?

00:03:11: Und worauf hast du dich auf deiner Reise besonders konzentriert, weil du das vielleicht in Deutschland vermisst.

00:03:17: Das sind ja alles Länder die in der Vergangenheit sehr gut bei der PISA-Studie abgeschnitten haben.

00:03:22: Die PISA Studie misst ja bei neun Klässlern und neun Klasslern die Kompetenzen in Mathematik im Lesen unter den Naturwissenschaften Und es ist eine Studie wo wir alle wissen dass Deutschland ziemlich also nicht so gut abschneidet Die letzten PiSer-Erhebung, so schlecht wie noch nie.

00:03:37: Dreißig Prozent der Neuklasslerinnen und Neuklässler erreichen nicht das Mindestniveau in Mathematik, dass sie brauchen um an einer Gesellschaft teilzuhaben.

00:03:44: Beim Lesen ist es jeder Führte.

00:03:45: also wir haben ein richtiges Problem gerade bei diesem Thema.

00:03:49: natürlich Bildung mehr als was PiSa ausmacht aber das ist ein wichtiger Teil davon.

00:03:54: Und ich wollte wissen Wie machen es dann wirklich andere Länder dessen Schulsysteme bei dieser Studie die ja als sehr bedeutend gilt, was machen die anders und können wir vielleicht von denen etwas lernen.

00:04:05: Und man kann ja viel lesen zu anderen Schulsystems, es gibt auch viel Forschung dazu.

00:04:11: aber ich wollte wissen als Lehrer wie funktioniert das?

00:04:15: Ich habe einfach angefangen Schulen anzuschreiben in vier Ländern, Estland, Finnland Japan und Singapur.

00:04:21: Ich hab dann angefragt hey!

00:04:23: Kann ich bei euch ausbetieren und ich habe Angeboten Unterricht zu halten.

00:04:28: Ich habe Angebote vorträge über Deutschland zu halten für die Schülerinnen und Schüler dort Und ich war erstaunt, wie viele von ihnen ja gesagt haben.

00:04:34: Ich habe dann wirklich dreistick Schulen besucht in diesen Ländern die alle sehr unterschiedlich, also kulturell sind, von der Größe und von der Geschichte vor dem Schulsystem... ...und ich war ein bisschen auf der Suche nach gemeinsamen Mustern!

00:04:48: Ich bin nicht wirklich mit einem Schwerpunkt reingegangen in die Reise.

00:04:51: Ich hatte den Luxus der Zeit.

00:04:53: Also ich hab da wirklich sechs Wochen in diesem Pro-Land verbracht in diesen Schulen Und ich konnte mir die Zeit nehmen, erstmal anzukommen und mir ein Bild zu machen von diesen Systemen.

00:05:02: Von den Kulturen weil das hängt stark zusammen.

00:05:07: Aber ein Muster, einen Prinzip was ich in vielen Ländern gesehen habe ist eben das der Professionalisierung... ...der lebenslangen Professionalisierung von Lehrkräften Und das spielt auch in meiner Buch die Bildungswelt meist eine große Rolle.

00:05:19: Lass uns diesen Faden mal aufgreifen, weil ein Bild aus deinem Buch ist mehr besonders im Gedächtnis geblieben.

00:05:26: Beispielsweise in Finnland gelten Lehrkräfte als Forschende in ihrer eigenen Praxis und lass uns mal diese Begrifflichkeit... auf der Zunge zu ergehen, Forschende in der eigenen Praxis sein.

00:05:40: In Finnland heißt das konkret da formulieren die Lehrkräfte pädagogische Hypothesen sie sammeln Daten und sie tauschen sich mit Kolleginnen und Kollegen aus.

00:05:50: was bedeutet diese Forschendehaltung für dich?

00:05:54: Und warum hat sie in Deutschland nie richtig Fuß gefasst?

00:05:57: Ja dieses Konzept der forschenden Lehrkraft Es ist kein finnisches Konzept ursprünglich.

00:06:02: Das stammt von den britischen Bildungsforscher Lauren Stanhaus, der Teacher as a Researcher – das ist eine Bewegung aus den Neunzehnten-Siebzigerjahren -, die eben sagt, dass Lehrkräfte immer wieder ihre eigene Praxis hinterfragen sollen wie ein Bildungs-Forscher oder einen Forscherin.

00:06:19: und eben sich nicht an einem festen Modell von gutem Unterricht irgendwie abarbeitet oder daran zu stark orientieren, sondern flexibel bleiben und immer so einen Blick für die Schülerinnen und den eigenen Unterricht entwickeln können.

00:06:31: Und dieses Konzept dieser Haltung ist stark bei finnischen Lehrkräften veranlagt, viele finnische Lehrkräfte mit denen ich gesprochen habe haben mir erzählt dass sie ihren Unterricht als eine Art Experiment betrachten.

00:06:45: das heißt wenn Zum Beispiel neue Materialien genutzt werden von der Schule oder ein neues Curriculum erstellt für das Schulintern.

00:06:52: Oder neue Methoden entwickelt werden, dann formulieren sie zuerst pädagogische Hypothesen zum Beispiel.

00:06:57: ich denke dass das und das so gut funktionieren könnte aber es ist erstmal nur eine Vermutung einer Hypothese die noch überprüft werden muss.

00:07:04: Das heißt Sie sammeln Daten wobei Daten einen sehr weiter Begriff sein kann.

00:07:08: Daten kann auch heißen Unterrichtsbeobachtungen oder man sammelt vielleicht Schülermaterial ein Und dann reflektiert man mit Kolleginnen und Kollegen, ob diese Hypothese sich bestätigt hat.

00:07:19: Also es gibt wirklich so ein Zyklus aus Hypothese- und Datensammelung und dann Besprechungen von dem was man beobachtet hat.

00:07:28: Dieser Zykl ist eben sehr wichtig für eine Art Haltung als einer forschende Lehrkraft.

00:07:34: Den Ursprung hat das aber in der Lehrkräfterausbildung.

00:07:36: Das ist ein sehr wichtiges Konzept in der Ausbildung in Finnland.

00:07:39: Unter anderem lernen angehende Lehrkräfte auch die Methoden der Bildungsforschung, also sie lernen zum Beispiel wie man eine Forschungsfrage aufstellt.

00:07:47: Wie man Daten sammelt und diese Erkenntnisse aufschreibt nicht weil sich später in einer Bildungs-Forschung gehen wollen oder sollen sondern weil das zu Beruf dazu gehört.

00:07:56: Für

00:07:56: mich heißt es eigentlich in Finnland verschmelzen Theorie um Praxis in der Lehrerausbildung.

00:08:02: wenn die auch lernen wie man ein Forschungsfrage stipuliert und aufwirft und anschließend vertieft im Kollektiv bearbeitet sehe ich das richtig.

00:08:11: In Deutschland hingegen hat so Theorien und Praxis sich in den letzten Jahrzehnten eher ein bisschen auseinandergelebt.

00:08:19: Ja, das hat auch strukturelle Gründe wie die Ausbildung strukturiert.

00:08:22: Das ist in Deutschland haben wir ja das Referendarat wo der Großteil der Praxiserfahrungen eben stattfindet oder die systematische Einführung in die Praxis Und wir haben immer ein sehr langes Studium tatsächlich im Vergleich zu anderen Schulsystemen.

00:08:37: und in Finnland gab es in den neunzehnten siebziger Jahren eine Reform der Lehrkräftedbildung.

00:08:40: Damals wurden die Grund- und Volksschullehrkräfte also an so praktischen Lehrerseminaren ausgebildet, und die Gömnasialehrkräften hatten dann ein Master plus noch einen einjährigen Vorbereitungsdienst.

00:08:51: aber dann in Zuge einer Schulstrukturänderung mussten alle Lehrämter vereinigt werden oder vereinheitlicht werden weil sie das längere Gemeinsamlernen eingefügt haben und dann mussten all einen Masterstudium machen und Sie haben das dann so gemacht dass die Praxisphasen in Studium integriert werden.

00:09:07: Und in Finnland ist es so, dass die allermeisten Praxisphasen an sogenannten Übungsschulen stattfinden.

00:09:12: Das sind Schulen, die allen Lehramtsuniversitäten zugeordnet sind.

00:09:16: Das heißt eine Universität, die die Lehramtler ausbildet hat dann vielleicht ein bis zwei Übungsschulen und dort finden... der Großteil der Praxisphasen statt.

00:09:26: Das heißt es gibt eine enge Verzahnung, man kann vielleicht... Es gibt insgesamt vier Praxisfasen im Studium.

00:09:32: Man ist vielleicht in zwei Tagen in der Vorlesung oder in der Uni und dann geht man ein paar hundert Meter weiter zur Übungsschule Und an der Übungsschule.

00:09:41: alle Lehrkräfte die dort tätig sind, sind Ausbildungslehrkräfte, sind Mentoren und diese sind sozusagen die Brücke von Theorie zur Praxis.

00:09:49: Sie arbeiten auch selber, sind stark mit den Wissenschaftlern und Wissenschaftlernen an der Uni zusammen und sind selber Art Bildungsforschen damit ihren eigenen Schülerinnen und Schüler... Hochinteressant

00:09:58: dieses Bild hast du uns hier von Finland zeichnest.

00:10:01: ich habe ja dein Buch gelesen die Bildungsweltmeister und du beschreibst darin eine Szene die mich beeindruckt hat.

00:10:08: Die finnische Studentin Kaiissa musste vor ihrem Lehramtstudium sieben wissenschaftliche Artikel durchdringen quasi als Aufnahmeprüfung Und ich habe auch erfahren, dass nur zehn bis zwanzig Prozent der Bewerberinnen und Bewerben die schaffen es überhaupt ins Grundschullehramt.

00:10:25: Das ist ja eine ziemlich hohe Einstiegshörde!

00:10:28: Ist das vielleicht?

00:10:29: Der eigentliche Schlüssel zur beruflichen Autonomie und auch zum Vertrauen des phänische Lehrkräfte in der Gesellschaft genießen?

00:10:36: Ja also gerade das Grundschulleehramt ist sehr beliebt in Finnland.

00:10:40: Das hat auch kulturelle Faktoren, muss man dazu sagen.

00:10:41: Es ist nicht alles nur ein System.

00:10:43: Also während der russischen Besatzung im neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert hatten die Lehrkräfte eine ganz besondere Rolle.

00:10:50: Die waren quasi Beschützer der finnischen Kultur- und Sprache.

00:10:53: Die haben ganz die finnische sprachige Schulen gegründet, entwickelten die nationale Literatur weiter und es hatte lange Zeit beinahe etwas heldenhaftes Lehrerinnen oder Lehrer zu werden weil eben das Land geschützt wurde dadurch.

00:11:08: Diese Präon wirkt natürlich auch noch nach, aber die Qualitätsvolle Lehrkräfterausbildung spielt eine Rolle, dass dieser Beruf immer noch so beliebt und angesehen ist.

00:11:19: Eine Sache, die ich ganz spannend finde, ist das weil es eben diese Selektion am Anfang des Studiums gibt, ist man dann etwas flexibler hinten rum.

00:11:27: also zum Beispiel bei uns gibt es hier das Referendariat mit den Staatsexamen sehr Viel Druck, sehr viel Stress, sehr starke Fokussierung auf Lehrproben die benotet sind.

00:11:37: In Finnland gibt es keine benotete Lehrprobe aber weil man eben am Anfang schon sehr stark darauf achtet.

00:11:43: wer bringt die Voraussetzungen mit um eine gute Lehrkraft zu werden?

00:11:48: hat das eben dann so geregelt dass die Praxisphasen nur Bestanden oder nicht bestanden sind, aber eben nicht zu stark benotet werden.

00:11:54: Und man kann sie auch im Zweifel wiederholen und das gibt dann den angehenden Lehrkräften viel mehr Freiheit, viel mehr Autonomie und Kompetenz erleben weil es eben nicht, man sich nicht an so ein bestimmtes Modell der Seminalerkraft zum Beispiel anpassen muss, wie sie guten Unterricht sieht.

00:12:08: Sondern ein eigenes Modell und eben mit dem forschenden Blick entwickeln kann was man selber für einen guten unterrichtet.

00:12:14: Auch interessant diesen forschende Blick!

00:12:16: Lass uns den einen Moment weitertragen.

00:12:18: ich möchte mit dir auch noch auf Japan zu sprechen kommen.

00:12:22: du beschreibst dort die Lessensstudy auf japanisch.

00:12:25: Ich versuche das mal auszusprechen.

00:12:29: Also einer der bemerkenswertesten Methoden, die du auf deiner Reise erlebt hast.

00:12:34: Und die geht so dass ein Team wochenlang plant eine einzige Forschungsstunde durchzuführen, eine Lehrkraft hält sie und das ganze Kollegium schaut zu.

00:12:45: Aber – und das ist entscheidend – beobachtet wird nicht die Lehrkraft sondern beobachtet wird wie die Schülerinnen sich darin in dieser Situation im Lernangebot verhalten.

00:12:57: Ich bin neugierig von dir zu hören, Alexander.

00:13:00: Was nimmt diese Methode den Beteiligten an?

00:13:03: Bewertungsdruck und warum funktioniert's in Japan so gut?

00:13:07: Ja das ist glaube ich wenn deutsche Lehrkräfte davon hören oder auch Bilder davon zum Beispiel sehen es erst mal total erstaunlich.

00:13:14: da hält der Lehrkraft eine Unterrichtsstunde und dann sind oft nicht das ganze Kollegium aber vielleicht schon so zehn Kollegen und Kollegen dabei die das irgendwie anschauen.

00:13:24: und weil wir im Referenderjahr so geprägt sind Hospitationen mit, wenn man beobachtet ist von Kollegen und Kollegen, dass das gleich eine Bewertungssituation ist.

00:13:34: Und wir sind sehr geprägt und andersso sozialisiert im Referenderjahr.

00:13:40: Das hilft natürlich auch in solchen Situationen als Lernsituation zu sehen für sich.

00:13:46: aber das funktioniert so gut weil es eben eine gemeinsame Forschungsfrage gibt.

00:13:50: Das heißt ein Team an Lehrkräften vielleicht drei bis fünf Lehrkräfte, überlegen sich gemeinsam welche Herausforderungen beschäftigt uns gerade in unserem Unterricht.

00:13:57: Wie können wir zum Beispiel ein bestimmtes Konzept im Matheunterricht in der zweiten Klasse besser umsetzen?

00:14:03: Besser unterrichten?

00:14:05: und dann über mehrere Wochen sammeln sie sich verschiedene Materialien zusammen, schauen vielleicht in die Forschung und tüfteln eben gemeinsam sehr intensiv gemeinsam einen an einer Forschungsstunde, die dann eben eine Person hält.

00:14:16: aber allen ist klar dass diese Stunde das Produkt an der Gruppenarbeit war Und alle Kollegen und Kollegen, die zuschauen, schauen eben auf die Schülerinnen und Schüler und ihre Lernprozesse.

00:14:26: Das ist der eigentliche Grund warum sie da sind!

00:14:28: Weil ich als Lehrkraft allein kann nicht, kann unmöglich die verschiedensten Lern-Prozesse aller meiner Schülerinnen im Blick haben während ich unterrichte.

00:14:36: dafür reicht unser Arbeitsgedächtnis nicht von der Kapazität.

00:14:40: aber wenn wir einige Kolleginnen und Kollegen dabei haben können Sie Ein Kind im Blick haben und ganz genau schauen, okay bei welcher Stelle war das Kind vielleicht besonders motiviert.

00:14:54: Wo hat das Lernen gehakt?

00:14:56: Wo kann es vielleicht gut zurecht und dann danach diskutieren wie könnte man diese Stunde noch mal Wie könnte man daran feilen und eben die verschiedensten Eindrücke mit in diese Diskussion reingebracht?

00:15:07: Wenn ich jetzt mit dir im Gespräch bin, Alexander über dein Buch Die Bildungsweltmeister.

00:15:12: Und wenn ich dich hier ganz konzentriert zuhöre wie du deine Beobachtungen erfahren und ihn in Japan zusammenfasst dann realisiere ich wieder erneut endlich wie du das im Buch auch sehr gut beschreibst, dass eben dort guter Unterricht als gemeinsame Verantwortung gesehen wird und eher nicht das Einzelleistung von einer inspirierenden Lehrperson.

00:15:33: Ich frage mich gerade ist es vor allem eine kulturelle Frage im japanischen Kontext oder lässt sich diese Haltung auch in Deutschland, in der Schweiz, in Österreich irgendwo sonst kultivieren?

00:15:44: Ja und nein natürlich spielt Kultur immer noch Rolle!

00:15:46: Und Japan hat ja eine kollektivistische Kultur wo vielleicht dieser Teamgedanke nochmal von Haus aus stärker veranlagt ist.

00:15:52: Aber Lessons Study hat sich seit, also Japanes ist Ursprungsland wo das entwickelt wurde aber Lessons study hat sich Seitdem in vielen anderen Ländern auch Seinen Weg gefunden.

00:16:02: in USA zum Beispiel Großbritannien In Singapur aber auch in Deutschland tatsächlich.

00:16:06: Also die Uni Ports Damp.

00:16:07: Es treibt das Projekt Lessons-Star, die seit einigen Jahren voran und ich habe auch selber Schulen besucht.

00:16:13: Die Lessons Star, die für sich erfolgreich umsetzen... Ich hab da auch fürs deutsche Schulportal eine Reportage geschrieben zur Gorge Fox Schule.

00:16:18: Das ist ne Grundschule in Hamburg, die das Konzept umsetzt.

00:16:21: Die machen es natürlich in ihrer eigenen Art und Weise, die machen's vielleicht nicht so intensiv wie die Schulen in Japan.

00:16:27: Dann sind da vielleicht nur drei Kolleginnen und Kollegen, die dass gemeinsam planen und dann beobachten und nicht zwanzig.

00:16:32: Und das ist vielleicht auch für deutsche Kontexte ein bisschen zu viel des Guten!

00:16:36: Aber wenn man eben es schafft, eine gemeinsame Forschungsfrage zu entwickeln.

00:16:40: Die Zeitslots dafür zu schaffen um die gemeinsamen Planung und die gemeinsame Mospitation hinzukriegen Und das auch in den Zusammenlegen im Collegium so diese Teamhaltung auch drin ist kann dass sehr wohl auch in deutschen Kontexten funktionieren.

00:16:54: Zu

00:16:55: diesem Beitrag überlässt ein Stadi.

00:16:56: Du hast erwähnt dass du's im Deutschen Schulportal als Beitrag veröffentlicht hast.

00:17:01: Lass uns später unten in den Show Notes einen Link einbauen für alle, die sich dafür interessieren, dass sie das dort weiterlesen können.

00:17:09: Und ich verbinde das mit einer Szene, die hier im Buch entdeckt habe wo du in Singapore unterwegs warst und das hat mich als Freund der didaktischen Reduktion natürlich besonders fasziniert.

00:17:20: Du beschreibst wie in Singapur sechs Lehrkräfte zehn Minuten lang über den genauen Wortleit eine einzigen Frage debattieren Und der Kontext war ein Projekt, bei dem Schülerinnen Schimmelwachstum auf einen Toastbrot messen sollen.

00:17:37: Warum ist diese kollektive Zuspitzung vielleicht sogar wirksamer als die einsame Vorbereitung durch eine Lehrkraft an ihrem Schreibtisch?

00:17:47: Ja, ich kann ja vielleicht ein bisschen mehr einordnen zu der Szene die ich im Buch beschreibe.

00:17:50: Ich bin ausgebildeter Mathelehrer und hab dann also eine Teamsetzung teilnehmen können von... Das waren sechs Mathematik-Klärkräfte der neunten Klasse an der Schule in Singapur Und die haben sich am Dienstag Nachmittag getroffen um ein gemeinsames Unterrichtsprojekt zu planen.

00:18:03: Und das haben sie jeden Dienstag nachmittags gemacht.

00:18:06: Und neunzig Minuten lang haben Sie sich getroffen und gemeinsam haben sie einen Projekt gearbeitet bei dem es ging da um Modellierung exponentiellen Wachstums für die Schülerinnen und Schüler, und die Schüler sollten eben über mehrere Wochen ein Stück Toastbrot in eine Plastiktüte packen.

00:18:23: Und dann über mehrere Woche das Wachstum des Schimmels messen und dann eine Funktion finden, dieses Schimmelwachstum ganz passend beschreibt.

00:18:28: Das war so ein bisschen der Kontext!

00:18:31: In der Sitzung und den Teil nehmen durfte ging es darum wie man dieses Projekt didaktisch strukturiert und eben auch... ...das hat mich fasziniert wirklich sehr detailliert diskutiert hat, wie man bestimmte Fragen stellt damit sie besonders kognitiv aktivieren sind für die Schülerinnen und Schüler.

00:18:45: Und ich war nach dieser Teamsetzung völlig barf.

00:18:47: Ich habe persönlich so viel gelernt aber auch reflektiert.

00:18:51: Ich hab nie mit Kollegen in Deutschland so intensiv über guten Unterricht nachgedacht und das hat mich auch traurig gemacht irgendwo weil diese Art der Zusammenarbeit in Singapur ist in allen Schulen gängig.

00:19:04: Also man nennt die Art der Zusammenarbeit Kurkonstruktion und das Format, in dem sie sich treffen professionelle Lerngemeinschaft.

00:19:11: Das heißt alle Lehrkräfte in Singapur Grundschule, weiterführende Schule, Kita- und berufliche Schulen sind heil von einer solchen professionellen Lerngemeinschaft, die sich meist wöchentlich trifft und ein Jahr lang an gemeinsamen Projekten arbeitet, fachtysaktische Artikel liest uns reflektiert, sich über guten Unterricht austauscht zur Folge, dass es eine viel stärkere ein gemeinsames Verständnis davon gibt was guter Unterricht ist.

00:19:39: Eine kollektive Wirksamkeit das wissen wir aus der HATTI-Studie zum Beispiel ist ganz.

00:19:43: also wie ob wir als ob wir so einschätzen dass wir als Kollegium gemeinsam etwas bewirken können is ganz ganz ganz wichtig für gute Lernleistungen.

00:19:51: und wir wissen in Deutschland zumindest dass wir gerade da bei der einheitlichen Auffassung von Unterrichten und Lernen nicht so gute Werte haben die das deutsche Schulbarometer ne Lehrkräfte umfrage hat gefragt eben Leckkräfte gefragt, wie sie das einschätzen und die haben gesagt, dass es in ihrem Collegium eine eindeutliche Auffassung von Unterrichten und Lernen gibt.

00:20:14: Im Ausland ist der Wert doppelt so hoch, also bei etwa einundachtzig Prozent.

00:20:17: Das ist ja völlig verrückt.

00:20:18: diese Zahlen die du uns hier präsentierst und dieser Einblick in Singapur... In deinem Buch habe ich auch gelernt dass dort Lehrkräfte hundert Stunden Fortbildung pro Jahr gewährt wird.

00:20:30: Hundert Stunden die fest in die Arbeitszeit verankert sind.

00:20:33: und in Deutschland, ich würde auch sagen in der Schweiz möglicherweise in Österreich geschieht ja Lernen meist on top!

00:20:41: schreibst du kritisch über die klassische dreistündige Frontalfortbildung und du sagst auch, dass die attendenziell eher Wirkungsarm ist.

00:20:50: Ich stemme gerade in die Frage – Ist diese mangende kollektive Professionalisierung in Deutschland am Ende vor allem ein strukturelles Problem?

00:20:59: Was würde sich ändern wenn Kollege alles lernen Teil der Arbeitszeit wäre?

00:21:03: Auf jeden Fall ein strukturelles Problem.

00:21:04: Wir investieren ganz, ganz stark in die Lehrkräfteausbildung haben eine der längsten Ausbildungen der Welt aber unsere Fortbildung ist im internationalen Vergleich ziemlich unterbelichtet.

00:21:14: nur vier Bundesländer Überhaupt eine quantifizierte Fortbildungspflicht, also die sagen okay so und so viele Stunden pro Schuljahr sollte man sich fortbilden als Lehrkraft.

00:21:24: Singapust mit hundert Stunden natürlich weit wahnsinnig voraus auch im internationalen Durchschnitt.

00:21:29: aber was mich interessant finde ist eben dass der Großteil dieser Hundertstunden Fortbildung eben nicht ne externe Fortbildung ist wo man vielleicht in den Landesinstitut fährt und da ein Workshop absolviert sondern sie sind eben zum Beispiel in Form von solchen professionellen Lerngemeinschaften sehr, sehr eng im Berufsalltag eingebunden.

00:21:47: Was total gut ist, weil man kann – das wissen wir auch aus anderen Forschungsergebnissen – dass was gute Fortbildungen eben ausmacht.

00:21:54: Zum Beispiel, dass man die Wirksamkeit des eigenen Handels erleben kann und es am eigenen Unterricht erprobt wird.

00:22:00: Und das kann man viel besser machen wenn man das im Kollegium in Teil des Alltags macht.

00:22:04: und das Problem mit solchen One-Shot-Fortbildungen, den Du beschrieben hast bei diesen Frontalfordbildungen der Transfer in die Praxis Das ist die große Schwachstelle.

00:22:16: Als

00:22:16: Insangapur geht es stark um Empowerment, es geht um Ermächtigung und es gibt ja dort auch einen sogenannten Teaching-Track.

00:22:25: Lehrkräfte können bis zum Masterteacher aufsteigen und bleiben aber dabei im Klassenzimmer.

00:22:31: Und daneben existieren auch ein Leadership Track und ein Specialist Track, die vom Ministerium so vorgespurt werden.

00:22:39: Warum ist das für das Bildungssystem?

00:22:42: So entscheidend, didaktische Expertise weiterhin an der Basis zu halten statt sie in die Verwaltung abwandern zu lassen wie wir das oft in Deutschland und auch in der Schweiz beobachten.

00:22:58: Lernen von Lehrkräften in der Schule, wenn Schule wirklich für die Personalentwicklung Verantwortung übernimmt.

00:23:03: Das lässt sich ja nicht einfach so machen.

00:23:04: dafür braucht es ja wirklich Kompetenzen der Erwachsenenbildung Dafür muss braucht man auch didaktische Experten in den Schulen.

00:23:11: und Singapur hat da für Anfang der zweitausender Jahre Alternative Karrierepfade eingeführt.

00:23:16: also gibt dort auch den klassischen karriere Pfad Richtung Schulleitung wo man mit jeder Stufe eben neue Verwaltungsaufgaben übernimmt und Führungsaufgaben, aber parallel haben sie auch den Teaching Track eingeführt.

00:23:28: Und hier übernehmen Lehrkräfte mit jeder Stufe mehr Verantwortung für die Unterrichtsentwicklung an ihrer Schule, aber auch im Regional.

00:23:37: Das heißt eine Lehrkraft spezisiert sich dann zum Beispiel in ihrem Fach und absoluten Weiterbildungen und kann jetzt zum Beispiel zum Seniorteacher aufsteigen ist dann vielleicht Expertin für Mathematik in der Grundschule und leitet sie vielleicht auch hier Prof.

00:23:51: Lerngemeinschaften an, ist dann auch die jene geht, die neue Methoden in die Schulen bringt.

00:23:57: Der nächste Stufe ist dann Leadteacher.

00:24:01: Nicht nur in der Schule, für ihr Themengebiet verantwortlich aber auch regionalen Ansprechpartner und begleitende weiß ich auch andere Schulen in der Unterrichtsentwicklung.

00:24:09: Und dann beim Masterteacher sind die da noch wirklich nationale Experten für ihre Fachtidaktik.

00:24:16: Das hat mehrere Konsequenzen.

00:24:19: einmal eben dass die Expertise die bei uns auf den Landesinstituten gebündelt ist im ganzen Schulsystem verteilt ist.

00:24:26: das heißt es gibt wirklich vor Ort Ansprechpartner, die dieses Lernen von Lehrkräften anleiten können.

00:24:32: Aber es macht auch ansprechende Lehrkraft zu werden und auch angesehener, weil immer ein Weg gibt sich weiterzuentwickeln.

00:24:41: Das geht natürlich auch bei uns in Deutschland, aber oft geht das nicht mit einem beruflichen Aufdruck einher.

00:24:46: Sondern es ist immer eine persönliche Sache und wir haben Missen aus Umfragen.

00:24:49: Es gab ne Forserumfrage vor einiger Zeit der deutschen Lehrkräften.

00:24:53: Fortfünfzig Prozent der Lehrkräfte in Deutschland sehen keine oder wenige Chancen für ihre berufliche Entwicklung.

00:24:58: Das finde ich ziemlich dramatisch.

00:24:59: Und das löst das ein bisschen auf, indem man eben abseits von nur Schulleitung oder vielleicht eine Lehrerausbildung auch noch andere Karrierepfade schafft.

00:25:07: Andere Karrierepfade schaffen Aufstiegsmöglichkeiten, Gewehren hochinteressant dieser Blick über den Tellen daran, den wir heute von dir erhalten Alexander.

00:25:16: Du hast das Buch Bildungsweltmeister geschrieben.

00:25:19: Wir sprechen jetzt ganz viel über Schulen und was an Schulen anderswo anders läuft Ob wir vielleicht davon was lernen können, ich versuche auch jetzt in dieser Podcastreihe Education Mites noch einen Brückenschlag zu meiner eigentlichen Zielgruppe zumachen den Erwachsenbildnerinnen und Erwachsenbildner.

00:25:38: Viele von unseren Zuhörendern arbeiten ja als Einzelkämpfer sind das Dozentin aus Dozent unterwegs Sie bereiten sich alleine vor sie reflektieren alleine Und sie bleiben vermutlich auch oft mit ihren didaktischen Fragen allein.

00:25:54: Wenn wir dieses Prinzip der professionellen Lerngemeinschaften, das du uns hier vorgestellt hast aus diesen vier Ländern die du besucht hast auf die Erwachsenenbildung übertragen wollen.

00:26:06: Was wäre der erste realistisch umsetzbare Schritt?

00:26:09: Ich spreche lieber von gelingensbedingungen.

00:26:12: Wir wissen so aus der Forschung es gibt Abstufungen in der Zusammenarbeit.

00:26:15: Es fängt an beim Austausch und einfach nur erzählt was machst Du, was mach ich?

00:26:20: Dann geht's Richtung Arbeitsteilung wo man vielleicht Du übernimmst diesen Arbeitsschritt, aber die höchste Stufe ist ja die Co-Konstruktion.

00:26:28: Wo dann wirklich zusammenkommt und gemeinsam an einer klaren Fragestellung arbeitet oder unterschiedliche Kompetenzen mit einbringt und gemeinsam reflektiert.

00:26:36: Also ich glaube man braucht schon eine klare Frage um das Projekt zu fokussieren damit es nicht irgendwie über irgendwas geht in deiner didaktischen Praxis sondern dass man das fokusiert Was sich auch, was diese professionellen Lerngemeinschaften ausmacht ist dass man auch eine Art Forschungsfrage hat gerade eben und auch Datensammel im weitesten Sinne natürlich.

00:26:56: Das heißt man hat eine Forschungsfrage überlegt sich erarbeitet etwas gemeinsam und dann probiert man das in der eigenen Praxis aus.

00:27:03: wie habt denn dieses Konzept funktioniert das für was wir uns zusammen gearbeitet haben?

00:27:07: Und dann kommt man nochmal zusammen und reflektiert diese Erfahrung und feilt an den anderen Verständnis.

00:27:12: also diese Schleife im Theorie praxis funktioniert auch in anderen Kontakten.

00:27:16: Lass

00:27:17: mich das noch ein bisschen zuspitzen.

00:27:18: angenommen, du hättest einen Hebel den du drücken könntest wo siehst Du die stärkste Hebelwirkung?

00:27:24: ist das bei den einzelnen Dozierenden?

00:27:26: Ist das bei der Gesamtinstitution?

00:27:28: Ist es noch weiter oben bei den Leuten die für die Bildungspolitik verantwortlich sind?

00:27:33: Das Schöne ist man kann auch schon loslegen ohne dass die Strukturen von oben da sind.

00:27:37: Also man kann auch zu zweit eine professionelle Lerngemeinschaft gründen, ich habe das im Studium auch gemacht mit meiner Minderkommilitonin.

00:27:43: Wir wollten uns weiter erbilden und wir haben uns ein Buch genommen und dann haben alle zwei Wochen getroffen und das Kapitel besprochen, was wir gerade gelesen hatten und überlegt, was es für unseren Unterricht in der Zukunft bedeuten könnte.

00:27:56: Da gab es keine Struktur, dahinter wir waren einfach motiviert.

00:27:59: Und natürlich ist das gut wenn langfristig auch die Politik dafür Rahmenschaft für so etwas und natürlich auch Kapazitäten schafft.

00:28:05: aber an sich steht es jedem frei in dem Ausmaß unter dem Umfang wie man es realistisch ist selber loszulegen.

00:28:12: Alexander ich mache ein bisschen Spoiler Alarm.

00:28:15: Ich hab dein Buch bis zu Ende gelesen, dort destillierst du drei Prinzipien heraus die du dort sehr anschaulich erklärst.

00:28:22: Du sagst es braucht tatsächlich flexible Unterstützung mit hohen Anforderungen und dann aber auch die richtige Didaktik zur richtigen Zeit.

00:28:31: Und dann eben das was du jetzt heute ausführlich uns dargelegt hast Lehrkräfte die sich als Forscherinnen und Forscher für den eigenen Unterricht auch verstehen und das verspricht ganz viel Lernerfolg!

00:28:46: Es geht darum, ein Ökosystem von geteiltem Wissen unter diesen Lehrkräften und Lernenden aufzubauen.

00:28:52: Was müsste in Deutschland zuerst passieren damit so ein Öko-System entstehen kann?

00:28:58: Es braucht

00:28:59: verschiedene Mechanismen wie die Innovation der einzelnen Lehrkraft oder der einzelnen Schule auch in die Breite gelangen kann.

00:29:06: Und da gibt es auch in diesen Ländern, die ich beschrieben habe und ich besucht habe einige davon.

00:29:10: Zum Beispiel in Singapur gibt bis am Ende des Schuljahres einen pädagogischen Tag an der Schule bei dem alle professionellen Lerngemeinschaften den Kollege umpräsentieren was sie gelernt haben in ihrer Zeit, in diesem Schuljahr.

00:29:20: Ganz spannend!

00:29:20: Es gibt auch in Singapur-Schulfamilien Cluster von so zehn bis vierzehn Schulen und da gibt es auch jährliche Konferenzen bei denen dann die Schulen teilen können was sie an ihre Schule gemacht haben.

00:29:30: oder kann auch die anderen Schulen in der Region davon lernen Auch in Japan zum Beispiel wenn wir jetzt mal die bedrohenden Rückwärts zurückgehen Bei den Lessons Study, es gibt auch regionale Lesson Study Gruppen bei denen Lehrkräfte zusammenkommt aus unterschiedlichen Schulen und gemeinsam einer Stunde feiern.

00:29:46: Schulen machen auch Tage der offenen Tür, bei denen sie dann vielleicht mehrere Lessensstudies stunden am Tag präsentieren.

00:29:51: Andere Schulen einladen.

00:29:52: die schulen schreiben auch Forschungsberichte zu ihren oder Abschluss Berichte zu Ihren Lessens, was Sie daraus gelernt haben, die dann auch öffentlich sind für andere Schulen Auch in Finnland der Übungsschulen um.

00:30:03: die bringen auch alle einen bis zwei Jahre auch im Art Forschungs bericht heraus und bei dem was das die Ausbildungslehrkräfte an einer Praxis nach Erforschung mit ihren eigenen Schülerinnen und Schülern gemacht haben, dass wir dann auch veröffentlicht.

00:30:15: Und so entsteht eben praxiserprobtes Wissen!

00:30:19: Das hat noch eine andere Qualität als theoretisches Wissen aus der Wissenschaft weil man als Lehrkraft weiß okay das haben andere Lehrkräfte so ausprobiert.

00:30:26: was hat bei denen so funktioniert in dem Kontext, im ähnlichen Kontext wie bei mir?

00:30:31: Und so gibt es eben diese Methoden, die ich beschrieben habe.

00:30:34: Sie generieren Praxiserprobe des Wissenes aber es braucht auch diesen Mechanismus darüber hinaus.

00:30:39: Alexander!

00:30:40: Diesen Begriff nehme ich von heute mit.

00:30:42: Wir brauchen mehr praxiserprobtes Wissen weil dieses Wissen eher anschlussfähig ist als wenn das aus dem Elfenbeinturm der Forschung kommt.

00:30:51: Lass mich an dieser Stelle mal zusammenfassen So wie ich das immer gegen Ende der Podcast Reihe hier machen ganz viel aufgeschrieben, drei Punkte versuche ich rauszugreifen.

00:31:02: Ich habe verstanden Lehrkräfte wenn die sich als Forschende verstehen dann entsteht dort eine ganz bestimmte professionelle Identität nämlich wenn Theorie und Praxis nicht als getrennte Welten behandelt werden sondern systematisch ineinandergreifen wie du das sehr schön in Worte gefasst hast.

00:31:22: mir macht dieser Ansatz viel Eindruck, wenn sich Lehrende als lebenslang Forschende sehen und ich finde hochinteressant dass wir unbedingt diesen Ansatz ein bisschen weiterverfolgen, weiterdenken sollten.

00:31:36: Das heißt ich freue mich wenn da im Buch weitere Leserinnen und Leser findet wenn noch mehr Leute neugierig werden hier mal ein bisschen zu denken.

00:31:45: Zweitens habe ich mir aufgeschrieben die Kraft des Kollektivs.

00:31:48: nachhaltige Unterrichtsentwicklung ist keine Einzelleistung, sondern entsteht insbesondere wenn Klassenzimmer geöffnet werden und wenn die Beteiligten das auf das was jetzt wirklich wichtig und wesentlich ist auch mal zusammenfassend und interpretieren und weitertragen.

00:32:05: Die Frage könnte ja so lauten Was bringt uns weiter?

00:32:09: Was ermöglicht Lernerfolg?

00:32:11: Was schließt möglichst alle Kinder im Lernprozess oder Erwachsenen gut ein.

00:32:17: Was brauchen die Lernenden, um jetzt einen Schritt weiterzukommen?

00:32:20: Drittens habe ich notiert Strukturen vor Appellen.

00:32:25: Verbindliche Fortbildungszeit wie wir das von Singapore gesehen haben alternative Karrierepfade Wie du das auch beschrieben hast in Prinzip geteilte Innovationsmechanismen Das sind alles Voraussetzungen für mehr Freude Für mehrere Folgen Im Lehrberuf und hier ist in Deutschland und in der Schweiz noch deutlich Luft nach oben.

00:32:46: Alexander, was denkst du über diese Zusammenfassung?

00:32:49: Gibt es Ergänzungen von

00:32:50: jetzt?".

00:32:50: Ja das sind glaube ich gute Drei-Prinzipien!

00:32:52: Ich würde auch diesen Netzwerkgedankt mit reinbringen dass es auch Mechanismen gibt um die Schule miteinander zu vernetzen und eben auch diese Mechanisten in der Verbreitung der Innovation zu schaffen.

00:33:03: Mechanismen der Verbreitung, so wie wir das hier mit dieser Podcast-Episode auch machen und Netzwerke bauen.

00:33:09: Du hast mir praktisch den letzten Punkt schön vor weggenommen weil am Schluss frage ich immer meine Gäste wo findet man dich?

00:33:15: Wie kann man sich mit dir verbinden?

00:33:17: Ja auf LinkedIn oder Instagram gerne auch auf meiner Homepage schauen alexandarbrand.de zum Beispiel.

00:33:22: Ich bin auch empfehlt mit Vorträgen unterwegs und Lesungen.

00:33:27: Sieh bei mich auch immer wieder mal.

00:33:28: Danke für dieses leereiche Gespräch!

00:33:30: Und ich wünsche dir weiterhin alles Gute.

00:33:33: Vielen Dank für die Einladung,

00:33:38: dir

00:34:02: auch.

00:34:06: Dein Gastgeber Ebo Wüst.

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