#170 Handlungsfelder der Hochschuldidaktik - Dr. Tobias Zimmermann
Shownotes
Was macht wirksame Hochschullehre aus?
Dr. Tobias Zimmermann leitet das Zentrum für Hochschuldidaktik und -entwicklung (ZHE) an der Pädagogischen Hochschule Zürich und lehrt dort seit 2013 als Dozent für Hochschuldidaktik. Gemeinsam mit Mònica Feixas und Petra Weiss hat er den Sammelband «Handlungsfelder der Hochschuldidaktik. Beziehung aufbauen, Lehre gestalten, Orientierung ermöglichen» herausgegeben, erschienen im hep Verlag.
Das Buch bündelt in zwölf Kapiteln, was wirksame Hochschullehre ausmacht. Geordnet ist es nach dem Zürcher Rahmenmodell mit den drei Handlungsfeldern Beziehung, Gestaltung und Orientierung.
Im Gespräch erklärt Tobias, warum die Lernbeziehung vor dem Stoff kommt und weshalb sich viele Dozierende zuerst als Fachleute ihrer Disziplin verstehen, statt die Lerngruppe in den Blick zu nehmen. Wir sprechen über Lehre als reflektierte Praxis statt als Kochrezept, über Leistungsbeurteilung als Kompass für das Lernen der Studierenden und über die Frage, wie generative KI die drei Handlungsfelder verändert. Zum Schluss wagen wir ein Experiment mit didaktischer Reduktion: Wenn eine junge Dozentin nur ein einziges Kapitel aus dem Buch liest – welches soll es sein?
Ein Gespräch für alle, die an Hochschulen und in der Weiterbildung lehren und ihre Praxis weiterentwickeln wollen.
Shownotes:
-LinkedIn Dr. Tobias Zimmermann: https://www.linkedin.com/in/tobias-zimmermann-a4b147122/
-Zentrum für Hochschuldidaktik und -entwicklung (ZHE): phzh.ch/hochschuldidaktik
-Buch: Tobias Zimmermann, Mònica Feixas, Petra Weiss (Hrsg.): Handlungsfelder der Hochschuldidaktik. Beziehung aufbauen, Lehre gestalten, Orientierung ermöglichen. Forum Hochschuldidaktik und Erwachsenenbildung, Band 14. hep Verlag, Bern 2026. https://www.hep-verlag.ch/handlungsfelder-der-hochschuldidaktik
Transkript anzeigen
00:00:00: Ich könnte mir gut vorstellen, dass Beziehungen und gute Beziehungsgestaltung ein zentrales Merkmal von hochwertiger Bildung der Zukunft wird.
00:00:09: Weil zumindest so normale KI-Instanzen eigentlich der Allgemeinheit zur Verfügung stellen kann man auch gut karieren oder kann man Tausenden oder Millionen von Menschen
00:00:19: anbieten
00:00:20: aber teuer ist wirklich Bildung mit persönlichen Beziehung.
00:00:27: Herzlich willkommen zu einer neuen Episode meines Podcasts Education-wise, didaktische Reduktion und Erwachsenenbildung.
00:00:36: Ich bin Ivo Würst, Trainer & Fachbuchautor – und unterstütze Unternehmen, Institutionen und Bildungsorganisationen ihre
00:00:44: Arbeit im Bereich der Erwachsenenbildung
00:00:46: zu professionalisieren!
00:00:48: In diesem Podcast spreche ich mit kompetenten Gästen über innovative Formen der Bildungsarbeit.
00:00:55: Du gewinnst wertvolle Hinweise und
00:00:57: Inputs rund um
00:00:58: das Thema didaktischer Reduktionen
00:01:00: und Erwachsenebild.
00:01:02: Ich freue mich, dass du heute wieder mit dabei bist.
00:01:05: Willkommen zu einer neuen Episode in der Podcast-Reihe EducationMinds, didaktische Reduktion und Erwachsenenbildung!
00:01:12: Mein heutiger Gast Dr.
00:01:13: Tobias Zimmermann leitet das Zentrum für Hochschuldidaktik und Entwicklung ZHE an der pädagogischen Hochschule Zürich und lehrt dort seit den Dozenten des Jahrhunderts aus.
00:01:24: Er hat an der Universität Zürich Germanistik studiert und in deutscher Sprachwissenschaft promoviert, mit einer Dissertation über Rückmeldungen im Online-Fohren.
00:01:37: Sein Fachgebiet – alles was Lehren und Lernen an Hochschulen besser macht!
00:01:41: Mit einem besonderen Fäbel für Leistungsbeurteilung und Feedback.
00:01:44: ... ... ... Jetzt hat er gemeinsam Den Sammelband Handlungsfelder der Hochschuldidaktik rausgegeben, erschienen im Hepferlag.
00:02:02: Das Buch bündelt in zwölf Kapiteln was wirksame Hochschullehrer ausmacht geordnet nach drei Handlungsfelden Beziehung Gestaltung und Orientierung.
00:02:12: Tobias schön dass du heute hier im Gespräch bist.
00:02:15: Ja hallo Ivo ich freue mich auch auf unser Gespräch
00:02:18: Zu Beginn.
00:02:18: weh ma meine Frage Erzähl uns etwas aus deinem Leben.
00:02:23: Ja, mich fasziniert Lernen in all seinen Facetten.
00:02:27: Dazu gehört natürlich das Lernen für die Schule oder eben für die Hochschule, worauf ich mich im Laufe der letzten fünfundzwanzig Jahre immer mehr spezialisiert habe.
00:02:36: aber mich interessiert die menschliche Entwicklung ganz allgemein.
00:02:40: so lese ich auch in meiner Freizeit gerne Bücher und höhere Podcasts über Hirnforschung, Anthropologie- oder Kognitionswissenschaften.
00:02:50: Auch die menschliche Motivation zustande kommt, finde ich sehr spannend.
00:02:54: Soziale Aspekte sind dafür zentral was uns oft nicht so bewusst ist im Alltag.
00:03:00: Man denkt so das kann aus den Menschen einfach so wofür sie sich interessieren und auf solche Aspechte kommen wir wahrscheinlich dann noch zu sprechen.
00:03:10: Auf jeden Fall in diesem Gespräch soll es um Hochschuldidaktik gehen.
00:03:14: Du bist seit über zwanzig Jahren tief dort in diesen Thema Und du und ich vor ein paar Jahren haben in einem Wand von Heinz Bachmann mit dem Titel Essentials Competence Oriented Teaching and Learning In Higher Education gleich hintereinander ein Kapitel zu zeitgemäßer Hochschuldidaktik veröffentlicht.
00:03:33: Meine Startfrage an dich, was hat dir und deinen Mittehrausgeberinnen Monika Feichers und Petra Weiß gefehlt in der bestehenden Literatur?
00:03:42: Warum braucht es dieses neue Buch
00:03:44: dazu?
00:03:45: Muss ich vielleicht ganz kurz einen Exkurs machen, nämlich Monika Petra und ich sind zwar die Herausgeber.
00:03:51: Aber das Buch ist ein Gemeinschaftswerk.
00:03:54: Entstanden ist es weil das Buch dass wir seit zehntausend elf in unseren CS-Lehrgängen in Hochschuldidaktik verwendet haben Das kompetent orientierte Hochschullehrer heißt und von Heinz Bachmann heraus gegeben wurde.
00:04:09: das ist so langsam in die Jahre gekommen.
00:04:12: Das wurde, wie gesagt, zum ersten Mal veröffentlicht.
00:04:17: In der letzten Auflage war es von dem Jahr zwei Tausend Achtzehn und wir haben einfach gemerkt Wir möchten ein aktuelles Buch machen.
00:04:24: Und dann haben wir im Rahmen eines Team-Entwicklungsprozesses bei uns im Zentrum für Hochschuldidaktik und Entwicklung an der pädagogischen Hochschule Zürich Eigentlich geschaut was braucht das denn?
00:04:34: Was macht den gute Hochschullehrer aus?
00:04:37: Was spielt eine Rolle?
00:04:38: Und so ist Schritt für Schritt dieses Dieses Zürcher Rahmermodell für wirksame Hochschullehrer entstanden, das nun dem neuen Buch zugrunde liegt.
00:04:48: Und daran haben eben alle Teamkolleginnen und Kollegen aus unserem Zentrum als AutorInnen mitgewirkt zusammen mit noch einigen weiteren Expertinnen und wir drei Herausgebenen haben vor allem jetzt die Verantwortung im Bucherstellungsprozess übernommen.
00:05:03: Der Inhalt ist aber in diesem Sinne ein Gemeinschaftswerk.
00:05:07: Das heißt auch, es ist kein klassischer Herausgeberband sondern eher eine coherente Einführung in die Hochschuldidaktik.
00:05:13: Aber jetzt zurück zu deiner Frage.
00:05:16: Die war ja.
00:05:17: warum brach das dieses Buch?
00:05:18: oder was hat uns gefehlt?
00:05:21: Uns waren vor allem zwei Aspekte wichtig, die eben auch in dieses Modell angeflossen sind, die es so nach unserer Einschätzung in einer hochschulidaktischen Einführungen bisher noch nicht gegeben hat zumindest nicht in deutscher Sprache nämlich die Betonungen von Beziehungsaspekten in der Lehre und ein Buch, das zwar schon eine Einführung sein möchte.
00:05:44: Aber eben mehr Anstöße für reflektierte Praktikerinnen gibt als einfach Kochrezepte.
00:05:50: So macht man es, so funktioniert Hochschuldidaktik und ich meine das ist uns auch recht ansprechend gelungen.
00:05:56: Tobias lass uns gleich zu Beginn hier im Gespräch ein bisschen tiefer gehen mit diesem Zürcher Rahmenmodell.
00:06:03: Viele kennen das schon vielleicht andere hören diesen Namen zum ersten Mal dass Zürche Rahmenmodel für wirksame Hochschullehre eben mit den drei Handlungsfeldern Beziehung Gestaltung und Orientierung, nachdem auch euer Buch strukturiert ist.
00:06:18: Magst du uns einen Moment erzählen wie es dieses Modell entstanden?
00:06:22: Was leistet es was andere Modelle nicht bieten?
00:06:26: Genau aus den Standen ist das eigentlich wirklich in so einem Teamentwicklungsprozess wo in unserem Team gibt Personen, die auf verschiedene Aspekte von Hochschuldidaktik besonders spezialisiert sind und wir haben versucht alles quasi in die Waagschale zu werfen.
00:06:43: Und eine Art Advanced Organizer also so eine Art Lernlandkarte zu entwerfen mit den wichtigsten Elementen, die beim Gestalten von ich sage jetzt Hochschulenterricht zu berücksichtigen sind.
00:06:54: Wir sprechen ja oft von Hoch-Schullehre aber Lehren hat immer ein bisschen dieses Einseitige.
00:06:59: Also ich leere und jemand nimmt das dann auf.
00:07:02: Deshalb sprechen wir manchmal halt trotzdem von Unterricht.
00:07:06: Und dieses Modell hat schlussendlich dann sogar die Struktur unseres Buches geprägt, das eben in diese drei Abschnitte gegliedert ist.
00:07:13: Wir beginnen mit Beziehung.
00:07:14: In der Mitte ist die Gestaltung.
00:07:16: Das sind so die klassischeren hochschuldidaktischen Themen Planung Methodik Gestaltung von Lernumgebungen und aber auch noch ein rechter Abschnitt zum Themenfeld Orientierung.
00:07:28: Da geht es ein bisschen darum dass Studierende sich ja sowohl bezüglich Ihres Lernstandes, aber auch so im Hochschulumfeld oder wofür machen Sie eigentlich dieses Studium?
00:07:38: Was kommt nachher auf Sie zu orientieren müssen.
00:07:43: Wichtig ist aber auch – das ist uns klar – Modelle sind immer Vereinfachungen der Realität und in Buch gibt es noch viele andere Modelle die vorkommen.
00:07:54: Wir haben darum sogar ein Moto-Zitat zu diesem Thema den Buch vorangestellt.
00:07:59: Ich habe es extra mitgebracht, vielleicht darf ich es kurz vorlesen?
00:08:04: Unbedingt!
00:08:04: Beneugiere ich das Mottozitat zu eurem Buch.
00:08:07: Genau, das lautet Geplante Handlungen existieren nur im Rahmen einer modellhaften Wirklichkeit.
00:08:14: Sobald eine Handlung ausgeführt wird werden die Handeln mit der Realität des menschlichen Seins konfrontiert und reelle Handlungen sind keineswegs pure Durchführung von ausgedachten Plänen.
00:08:26: Dieser Zitat, das stammt von Gerrit Hommann, der eben leider letztes Jahr verstorben ist.
00:08:31: Das war unser ehemaliger und erster Abteilungsleiter, der uns mit solchen und anderen Überlegungen sehr konstruktivistischen Gedanken stark geprägt hat.
00:08:41: Und unser Rahmenmodell ist natürlich fremdwachend wie alle Modelle.
00:08:46: aber seine Stärke.
00:08:47: Du hast ja gefragt was leistet es vielleicht?
00:08:49: Was andere Modelle nicht leisten?
00:08:52: Seine Stärke ist aus unserer Sicht, dass man es für die meisten Situationen heranziehen und fragen kann welche im Modell aufgeführten Aspekte spielen für meine aktuelle Frage oder mein Problem.
00:09:04: Die größte Rolle wie wirken sie allenfalls zusammen?
00:09:07: Und dann was könnte ich nun in Buch nachlesen, nachschauen wo könnte mich das Buch anregen um etwas anders anzugehen, um etwas zu reflektieren usw..
00:09:20: Tobias, du hast diesen Dreiklang erwähnt Beziehunggestaltung und Orientierung die drei Handlungsfelde im Zürchenrahmen Modell für wirksame Hochschullehre.
00:09:30: Und ich hatte ja das Glück, ich konnte die Druckfahne von eurem Buch dass diesen Herbst herauskommt lesen und habe dort beobachtet, dass ihr tatsächlich das Handlungsfeldbeziehung ganz bewusst an den Anfang von euren Sammelband gestellt habt.
00:09:44: Viele Dozierende verstehen sich nach meiner Beobachtung aber primär als Fachleute für ihre Disziplin weil ich mache ja seit Jahren Hospitationen, ich besuche Dorzierende in der Praxis und dort stelle ich beim Auswertungsgespräch oft Fragen zur Lernbeziehung mit den Studierenden.
00:10:02: Und wie die Lehrkräfte einen Rahmen schaffen damit die Gruppen gut laufen lernen und die einzelnen Menschen die diese Lerngruppe ausmachen untereinander und mit den Lehrenden in eine konstruktive Beziehung gehen können.
00:10:15: Manchmal bin ich dabei echt überrascht dass viele Lehrende diese Aspekte kaum beachten oder reflektieren.
00:10:24: Warum ist die Lernbeziehung bei euch in euren Buch?
00:10:26: Warum ist das Fundament und nicht der Stoff?
00:10:30: Ich würde sagen, beide bilden zusammen das Fundamentalten Unterrichts.
00:10:34: Wir haben uns bewusst entschieden an den Anfang des Buches zu stellen um ein Gegengewicht zu üblichen Priorisierungen oder Reihenfolgen zu setzen und eben nicht irgendwie mit Lernzielen, Unterrichtsplanen oder was auch immer zu beginnen sondern eben mit diesem Aspekt der Beziehung.
00:10:55: Natürlich ist Fachexpertise die zwingende Voraussetzung um überhaupt Dozentin oder Dozent an einer Hochschule zu werden.
00:11:04: Insofern ist sie immer mitgedacht.
00:11:07: Aber wenn ich dann eben lehren und lernen wirksam gestalten möchte, dann braucht es noch mehr als nur meine Fachexpertise als Dozentin.
00:11:15: Also sie reicht alleine nicht auch wenn sie zwingende Voraussetzung ist.
00:11:19: Und deshalb geht das dann in der Hochschulidaktik halt meistens genau nicht um die Fachexperte.
00:11:25: diese weil die hat jede Person individuell schon erworben und vertieft sich weiter viele Forscher ja auch noch neben ihrer Leertätigkeit und wir versuchen daneben auch noch an den anderen Aspekten wie zum Beispiel dem Umgang mit Beziehungen zu arbeiten.
00:11:46: Und ich denke, dass unser Buch ganz gut darstellt oder aufzeigt inwiefern das überhaupt schon mal das Aufnehmen von Beziehung eine Rolle spielt.
00:11:55: Oder z.B.
00:11:56: etwas was viele Lehrende übrigens nicht nur auf Hochschulstufe sondern auch bei vielen jüngeren Schülerinnen und Schülern oft quasi wie als persönlichen Angriff empfinden, die sogenannten Widerstände oder Störungen im Unterricht.
00:12:12: Oft sind solche Widerstände das ist das Wort von dem wir jetzt in unserem Buch sprechen eigentlich ein Zeichen dass man ausgreifen kann als Dozentin und Schauen kann ja was will mir die Person oder allenfalls die Gruppe oder Teile der Gruppe?
00:12:30: Was ist die Botschaft?
00:12:31: Und dann kann man nachgehen, also wo ist der Widerstand?
00:12:34: An was macht er sich fest.
00:12:37: Das ist oft ganz spannend da hinzugehen und zu sagen das ist eigentlich ein Geschenk!
00:12:42: Ich sehe hier gibt es Hindernisse für das Lernen und dass ich zum Beispiel einen zentralen Aspekt jetzt beim Beziehung gestalten.
00:12:50: Ja genau dieses Hinschauen die Widerstände aus Zeichen der Lebendigkeit interpretieren.
00:12:56: und ich mache hier kurz eine Verbindung zur Lernpsychologie.
00:12:59: Im Buch habe ich gesehen, dass du dieses Kapitel geschrieben hast – Lernpsychiologie & Motivation.
00:13:05: Gibt es da bestimmte lernpsychologische Erkenntnisse die den Unterricht der meisten Dozierenden sofort verbessern würden wenn sie konsequent anwerden würden?
00:13:15: Dazu
00:13:16: muss ich sagen, dass mein Kapitel das zweite von zwölf Kapiteln ist, gerade nach der Einführung ins Buch.
00:13:22: Das liefert eher die lernpsychologischen Grundlagen, die dann in den restlichen Kapiten konkretisiert werden als selbst schon viele konkrete didaktische Tipps zu geben und wir sind ja wie schon angedeutet gegenüber Rezepten etwas skeptisch.
00:13:37: aber wenn ich etwas herausgreifen sollte dann vielleicht der Umstand Alle Menschen wieder ein wenig anders lernen.
00:13:45: Also ich würde hier gerne das Bild der Normale Teilung heranziehen, dass bei anderen Themen problematisch ist zum Beispiel bei der Leistungsbeurteilung.
00:13:53: für euch kommen wir da noch drauf.
00:13:56: aber was jetzt das Lernen betrifft kann man sagen ein großer Teil der Studierenden und überhaupt aller Menschen die sind wahrscheinlich irgendwann so Das ist so dieser Buckel oder?
00:14:06: Irgendwo in der Mitte und lernen plus minus ähnlich.
00:14:10: Die einen haben vielleicht etwas mehr Ruhe und stilles Lernen, die anderen machen das ein bisschen lieber in der Gruppe aber... ist jetzt nicht so dramatisch.
00:14:20: Und dann gibt es aber an den Ränden dort, wo die Kurve abflacht auch größere Unterschiede bis hin zu Unterschieden, die dann so stark sind dass man von Abweichungen mit Diagnosen spricht zum Beispiel bei ADAS oder beim Autismus Spektrum oder bei Leserichtschreibung Lese-Rechtschreib Schwächen und so weiter.
00:14:42: Ich glaube das ist zentral wenn Unterricht auf irgendeiner Stufe macht, dass man quasi nicht diese Fiktion einer homogenen Gruppe unterliegt.
00:14:52: Also ich sehe da zwanzig oder zweihundert Studierende und denke die lernen alle gleich.
00:14:58: das ist immer so weil sie alle ähnlich da sitzen und mir zuschauen oder so oder miteinander in Gruppen arbeiten Und ich glaube das ist ja eine Herausforderung in der Hochschullehrer Dass man gerade weil man oft sehr große Gruppen hat Die Balance findet einerseits mit diesen großen Gruppen umzugehen, das irgendwie zu gestalten und dabei doch immer mitzudenken dass Studierende je unterschiedliche individuell unterschiedliche Bedingungen brauchen, um gut lernen zu können.
00:15:28: Und das spielt auch dann bei Beziehungsfragen oder bei Leistungsbeurteilung
00:15:32: usw.,
00:15:33: spielen solche Überlegungen aus meiner Sicht eine wichtige Rolle.
00:15:36: Mir gefällt da ein differenzierter Blickwinkel auf die Lernsituationen.
00:15:40: Mir kommt gerade so das Bild, manchmal in Trainings zu erwachsenen Bildung sage ich, die Studierenden die teilnehmen sind ja ein bisschen wie Schneeflocken.
00:15:48: Wir sehen verschiedene Schneeflocken, die vom Himmel langsam runterfahren aber im Prinzip bestehen sie aus völlig unterschiedlichen Kristallen und jeder einzelne Mensch ist natürlich ein Universum hat eine andere biografische Prägung, hat andere Präferenzen.
00:16:03: Und bei euch im Buch habe ich gelesen, dort schreibt ihr auch leere ist keine Anwendung standardisierter Kochrezepte sondern reflektierte Praxis.
00:16:12: Beispielsweise wie ist meine Lerngruppe, meine Gruppe von Studierenden zusammengesetzt?
00:16:17: Tobias sie würde hier mal gern ein bisschen konkreter werden.
00:16:20: was heißt das jetzt für eine Dozentin die nächste Woche eine Vorlesung mit zweihundert Studierende hält?
00:16:27: Sie muss sich vorbereiten, sie plant!
00:16:29: Sie spricht sich vielleicht mit Kolleginnen und Kollegen einzeln oder allen Studierenden ab.
00:16:34: Wann genau kommt die Reflexion über die Gruppe, über den Kontext ins Spiel?
00:16:40: Ich würde sagen grundsätzlich von Beginn weg wäre das Ziel.
00:16:44: also idealerweise sollte man von Beginnen weg quasi Reflexionen schlaufen quasi einplanen oder bei gewissen Menschen stellt sich das zum Glück quasi von selbst ein, also dass man darüber nachdenkt warum man das tut was man tut oder wie das bei anderen wirkt.
00:17:05: Was man tut jetzt als Dozentin oder Dozent?
00:17:09: Ich glaube wichtig ist hier es gibt ja... Das ist auch übrigens gerade so bei Studien-Eingangsphasen eine verbreitete Vorstellung wo man ja dann oft hört, zuerst müssen sie die Basics lernen.
00:17:22: Also ein Jahr lang irgendwie Medizinstudium ist so ein Klassiker, es ist nicht mehr überall so, es gibt auch problembasierte oder problemorientiert strukturierte Medizinstudiengänge aber oft ist das auch heute noch so, die haben dann irgendwie einen jahrlang Physik, Chemie andere Naturwissenschaften, Biologie und so und im zweiten Jahr setzieren Sie dann vielleicht mal Leichen und echte Patienten.
00:17:50: sehen Sie dann, wenn sie schon zwei Zwischenprüfungen bestanden haben.
00:17:53: Vielleicht jetzt ein bisschen überzeichnet?
00:17:55: Ich hoffe ich trete keinen Mediziner auf die Füße aber ich denke in der Tendenz haben viele dozierende derartige Vorstellungen auch etwas das Studium betrifft und wir sehen es eigentlich eher so dass es spiralförmig ist.
00:18:12: also eigentlich wäre es sinnvoll von Beginn weg studierende auf verschiedenen Niveau-Stufen fachliche Aufgabenstellungen Probleme bearbeiten zu lassen und ich sehe das auch mit der Hochschulidaktik so.
00:18:25: Wir haben ja schon angetönt, es gibt keine Rezepte, keine Automatismen.
00:18:30: die Modelle sind Modelle, die Menschen sind individuell, die Realität ist auch widerständig immer ein bisschen anders als geplant.
00:18:37: und so würde ich sagen diese Dozentin die du erwähnt hast wenn sie jetzt Es kommt darauf an, in welchem Kontext das sie sich befindet.
00:18:47: Wenn die von ihrem allerersten Semester als Dozentin an einer Hochschule steht dann geht sie vielleicht jetzt anders an unser Buch heran.
00:18:55: also dann setzt sie vielleicht mit ihrer Reflexion die hoffentlich eben vom Beginn weg einsetzt eher an ihre persönlichen Erfahrung als Studentin an.
00:19:04: wie habe ich es erlebt?
00:19:06: Was war mir vor zehn oder zwanzig Jahren damals wichtig?
00:19:11: Oder sie versucht es mit Empathie.
00:19:13: Also wenn ich jetzt bei mir in der Vorlesung, im Seminar oder was auch immer sitzen würde, was würde ich brauchen um jetzt gut einsteigen zu können... Wenn die Dozentin jetzt aber schon viele Jahre Erfahrung hat, dann setzt sie vielleicht an anderen Punkten an.
00:19:29: An bereits gemachten Erfahrungen am Austausch mit dotzierenden Kolleginnen und Kollegen, am Austauch mit Studierenden... Ich glaube wichtig ist einfach dass man ja an realen Erfahrung ansetzt und sich gewisse Punkte herausnimmt.
00:19:48: Was nicht möglich ist, ist ein perfekt geplanter Hochschulunterricht, sondern es ist immer Work-in-Progress und es ist in Beziehung treten mit anderen Menschen.
00:20:00: Lass uns den Blickwinkel einer Moment Richtung Leistungsbeurteilung verschieben!
00:20:05: Das ist ja dein Spezialgebiet.
00:20:07: im neuen Buch behandelt Monica Fascher das Kapitel dazu und sie beschreibt Beurteilungen als Kompass für das Lernen der Studierenden.
00:20:16: Draußen In den Medien wird auch in der Schweiz im Moment gerade auf Stufe Volksschule heftig debattiert, Noten beurteilungen.
00:20:25: Macht das Sinn?
00:20:25: Wann macht es Sinn?
00:20:26: Wie müssen die ausgestaltet sein?
00:20:29: Meine Anfrage an dich bezüglich Hochschuldetaktik woran erkenne ich als Dozent ob meine Prüfung und das Lernen fördern oder bloß messen?
00:20:37: Genau, wir haben den Vorteil bei uns im Team dass Monika und ich beide stark mit der Leistungsbeurteilung beschäftigen.
00:20:45: Das Kapitel übrigens in diesem Band, den du vorhin erwähnt hast wo du auch den Text zur Detaktion Reduktion veröffentlicht hast das habe ich zusammen mit Monika geschrieben oder wir haben das zusammengeschrieben.
00:20:58: also grundsätzlich würde ich sagen messen und fördern müssen kein Gegensatz sein.
00:21:04: Das größere Problem ist in der Praxis Und auch da würde ich sagen, auf allen Bildungsstufen meistens das hat viel mit Traditionen und einfach dass man weiter das macht was man selbst als Schülerin-Schüler Studentinnen und so erlebt hat.
00:21:19: Dass man das weiter fortführt teilweise entgegen dem was man in eigenen Ausbildungen gelernt hat.
00:21:26: Das eben Prüfung oder Leistungsnachweise gar nicht das Messen, was sie zu messen vorgeben.
00:21:32: Also in der Redaktik sprechen wir dann von der Gültigkeit die eigentlich das Ziel wäre aber eben da nicht vorhanden ist.
00:21:39: also ein Beispiel In der heutigen Zeit schreibt ja niemand mehr länger von Hand so mindestens ab Stufe Sekundarstufe zwei und sicher auf der Terziär-Stufe.
00:21:51: Da schreibt man praktisch alles was ein längerer Text ist mit Maschinen Mit dem Tablet Tastaturen oder sogar für Tiktirfunktionen.
00:22:01: Und wenn ich dann zum Beispiel eine lange, mehrstündige Klasur mache wo Studierende von Hand schreiben müssen einen Text dann teste ich ganz andere Dinge als die, die ich eigentlich messen möchte.
00:22:16: Ganz banal vielleicht sogar so Dinge wie Schmerzresistenz oder so weil das weh tut wenn man sich nicht mehr gewöhnt ist.
00:22:23: aber auch Textschreiben funktioniert völlig anders weil man nicht einfach irgendwie einen Satz vom Anfang an Ende des Textes stellen kann und so.
00:22:32: Das wäre für mich ein Beispiel von einem Prüfungsformat das in der heutigen Zeit wahrscheinlich in den meisten Kontexten nicht gültig ist.
00:22:40: Auch das gäbe irgendwo noch Studiengänge, wo es wirklich relevant ist dass man längere Texte von Hand schreiben muss.
00:22:48: Aber jetzt zurück zu deiner Frage.
00:22:50: selbst wenn jetzt korrekt gemessen wird Und das quasi gültig ist, was man misst genügt das alleine aus meiner Sicht eben noch nicht.
00:22:58: Denn wenn ich Lernen nicht nur messen sondern fördern will dann ist insbesondere Feedback zentral.
00:23:04: also Studierende müssen irgendwie erfahren wo sie stehen und vor allem auch wie sie sich dann weiter entwickeln können.
00:23:13: Dieses Feedback, das ist auch keine Einbahnstraße.
00:23:16: Also nicht wir als dozierende Sagen denen mal also ihr könnt das und das gut und da müsst ihr noch mehr lernen sondern es ist vor allem eine Verständigung.
00:23:25: Und da würde jetzt unser Buch hoffentlich dann eine gute zusätzliche Anregung geben Nicht nur mit dem Kapitel zur Leistungsbeurteilung Das auch sehr stark auf die formative Leistungs- beurteilung, also eben Feedback zum Leistungsstand eingeht, sondern auch dieses Kapitel über Feedback und Feedbackkultur, das wir im Buch drin haben.
00:23:48: Sagt viel dazu!
00:23:50: Ich glaube, das ist zentral – und da sind mir auch bei diesem Feld Orientierung, dass uns ja auch wichtig ist in dem Buch….
00:23:56: Und da schließt die Kompassmetapher von Monika eben an oder?
00:24:01: Dass auch wir Lehrenden idealerweise Leistungsbeurteilung vor allem als Orientierungsanlass für die Studierenden, für uns selbst Verstehen.
00:24:11: Auch für uns ist es Orientierung, was können die schon gut?
00:24:14: Was muss ich vielleicht nochmals mit ihnen anschauen und so
00:24:17: weiter?".
00:24:18: Tobias!
00:24:19: Wir stecken mitten in einer von KI geprägten auch durcheinander gewibelten Situation oder Zeitepoche.
00:24:26: Euer Buch ist exakt in diesem KI-Unbruch entstanden.
00:24:30: Ich selber gebe seit zwei Jahren Trainings zu KI in der Erwachsenenbildung und seit diesem Jahr auch KI-Agenten.
00:24:38: Die Entwicklung, die Anwendungsmöglichkeiten der verschiedenen Tools.
00:24:42: Die ganze Diskussion läuft dynamisch, läuft rasant.
00:24:45: Es ist anspruchsvoll den Überblick und gleichzeitig das große Ganze Gute Lehre im Auge zu behalten.
00:24:53: Wie verändert generative KI die drei Handlungsfelder Beziehung Gestaltung und Orientierung?
00:24:58: Und wo bleibt professionelle gute Lehre trotz all diesen dynamischen Entwicklungen dieselbe?
00:25:04: Langfristig ist es natürlich Wirklich schwierig abzuschätzen, da gibt es viele Versuche auch mit Prognosen und so.
00:25:11: Ich denke man muss sich bewusst sein also jetzt im November dann ist das vier Jahre dass dieser JGPT-Moment gewesen ist.
00:25:19: Also B.A.
00:25:20: Döbeli, ICT, die Taktiker ein bekannter der spricht ja oft von diesem iPhone Moment als Steve Jobs ich weiß nicht mehr war das zwei tausend sieben oder so.
00:25:30: Ja
00:25:30: genau!
00:25:30: Das iPhone präsentiert
00:25:32: Genau, und der Jajibiti Moment.
00:25:34: Als erstmals im November zwanzig die Öffentlichkeit wahrnahm jetzt ist eine textbasierte KI da, die kann wirklich von uns als intelligent wahrgenommenen Antworten geben.
00:25:47: das war so der Moment quasi wie ein Kipppunkt im öffentlichen Diskurs war.
00:25:53: ich denke alle die sich damit beschäftigt haben das vielleicht ein bisschen kommen sehen.
00:25:58: Aber für mich war es damals auch eine Überraschung, wie das plötzlich ging.
00:26:02: Vorher hatte ich vor allem Dippel gekannt, dass sich auch schon sehr toll fand oder bildgebende KI-Instanzen, die sehr mächtig waren aber dass es plötzlich so mit Sprache und Wissen ging, das war neu und ich denke sie ist immer noch irgendwie neu für uns.
00:26:20: also darum würde ich grundsätzlich bin ich vorsichtig mit Prognosen Aber ich denke, was es verändert?
00:26:26: Das ist eigentlich die Komplexität der Beziehungen im didaktischen Bereich.
00:26:32: Unsere Kollegin Ulrike Hanke, die du vermutlich auch kennst, spricht davon, dass das bekannte didaktische Dreieck sich zu einem Tetraeder erweitert – also das didaktisch Dreiecke leerende, lernende und die sachlichen Inhalte.
00:26:51: Das gibt quasi ein zweidimensionales Dreieck.
00:26:54: und wenn wir jetzt darüber wie nicht so an der Pyramide aber zu einem Tetroeder gleichseitigen Körper in der Mitte drüber noch die KI platzieren.
00:27:05: Da gibt es plötzlich vier, drei Ecken wo jeweils dann in drei von vier drei Eken die KI mitmischt.
00:27:13: oder ich zähle jetzt nicht alle auf aber ich glaube nur wenn man sich das schon mal bildlich vorzustellen versucht sieht man wie viel komplexer dass es wird wenn so im Unterrichts geschehen oder eben auch wenn die Studierenden an Hausaufgaben und so weiter machen ihm die KI noch mitmischt.
00:27:30: Was sich vor allem verändert aus meiner Sicht, das sind die epistemischen Fragen.
00:27:34: Also wie werden Erkenntnisse oder Wissen gewonnen?
00:27:38: Auch weitere Mittel oder ausgehandelt?
00:27:41: Und jetzt gerade im Hochschulbereich, wo eigentlich Fachliteratur der Fachdiskurs eine große Rolle spielt und wir auch nicht früh im Studium möchten.
00:27:48: Das Studierende ist schon mit Fachtexten, nicht nur mit Studienliteratur auseinandersetzt mit so Handbüchern und so die extra für Studierenden geschrieben wurden.
00:27:59: das wird immer schwieriger weil KI als Zwischeninstanz funktioniert.
00:28:03: wenn ich den Studierendensage lese irgendwie einen zehenseitigen Fachtext aus einem Journal einen aktuellen, dann geben ja allermeisten Studierenden diesen Text zuerst einmal an eine Kaiie und sagen gibt mir eine kurze Zusammenfassung davon.
00:28:19: Und denken dann auch oft jetzt muss ich den Text nicht mehr lesen.
00:28:24: Und damit verlieren wir aber die fachliche Tiefe der Auseinandersetzung.
00:28:29: Ähnliches gilt für das Schreiben!
00:28:31: Ich glaube da ist die große Herausforderung der Hochschuldidaktik in den nächsten Jahren dass wir schauen, dass Lernende – und in unserem Fall eben Studierende epistämisch handlungsfähig bleiben selbst kritisch bleiben und nicht von K-I-Instanzen abhängig werden.
00:28:50: Was gleich bleibt?
00:28:52: Oh das ich vielleicht vermute sogar eher verstärkt ist die Rolle der Beziehung!
00:28:57: Ich könnte mir gut vorstellen, dass Beziehungen und gute Beziehungsgestaltung ein zentrales Merkmal von hochwertiger Bildung der Zukunft wird weil zumindest so normale Kainstanzen eigentlich der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, kann man auch gut karieren oder kann man Tausenden oder Millionen von Menschen anbieten.
00:29:18: Aber teuer ist wirklich Bildung mit persönlichen Beziehungen und das glaube ich könnte sich so ein bisschen könnten sich da die Gewichte verschieben.
00:29:29: Das ist interessant.
00:29:30: ein Blickwinkel, die Bedeutung die du der Beziehungsarbeit beibemisst Veränderungen, die die KI anstoßt in der Hochschule, die Daktik hier reinbringst.
00:29:42: Lässt mich auf die Idee kommen Future Skills!
00:29:46: Und das ist ja eine Zeit lang intensiv diskutiert worden.
00:29:48: Hier in der Podcastreihe hatten wir Ulf Daniel Ehlers auf Besuch und ich hatte natürlich Freude im Buch zu sehen dass er da Schlusskapitel geschrieben hat.
00:29:58: In seinem Schlusskapitel geht es um Future Skills und Future Skills Literacy.
00:30:03: Vielleicht kurz für unsere Hörerinnen und Hörern Future Skills sind für Daniel Ehlers Kompetenzen, mit denen Menschen in einer unsicheren sich schnell wandelnden Welt handlungsfähig bleiben.
00:30:15: Dazu gehören für ihn Selbstwirksamkeit, Reflexionsvermögen oder auch systemisches Denken.
00:30:21: und Future Skills literacy wiederum ist die Metacompetenz der Lehrenden und Hochschulen dahinter.
00:30:27: Solche Kompetenzmodelle verstehen in der eigenen Lehre anwenden weiterentwickeln und hinterfragen können.
00:30:36: Illes fordert ja damit die Hochschul-Dotsierenden ziemlich heraus.
00:30:41: Er sagt Prüfungen, die mehr belohnen als Wissensreproduktion sind wichtig, Lehrende sollen sich als Coaches verstehen und es braucht eben, wie du das hier auch angetönt hast, Curricula mit realen Problemen statt einfach nur eine Vielzahl von
00:30:55: Folien.".
00:30:56: Du arbeitest bei der PH Zürich.
00:30:58: Welche dieser Zukunftskompetenzen fordern die Hochschulen selbst am stärksten heraus?
00:31:04: Und wo steht die PH-Zürich im Moment dabei?
00:31:07: Also unser Buch muss ja nicht am Stück gelesen werden, das ist sonst wichtig!
00:31:10: Man kann irgendwo anfangen und dann quasi nach dem Schneeballprinzip auch weitergehen.
00:31:17: Aber ich würde schon sagen, vieles was wir im Buch vorschlagen läuft eben stark darauf heraus.
00:31:24: Was dann im letzten Kapitel von Ulf Daniel Ellers gefordert oder auch beschrieben wird.
00:31:29: also wir betonen in dem ganzen Buch die Beziehungskompetenzen von Lehrenden aber auch von Studierenden.
00:31:36: Wir betonen haben mir vorher darüber gesprochen dass Leistungsbeurteilungen ein Kompass sein soll und nicht nur ein Maßband.
00:31:45: Die Arbeit mit authentischen realen Herausforderungen und Problemstellungen ist uns wichtig.
00:31:51: Und auch immer wieder so verteilt im Buch oder Respekt, über den wir gerade zuletzt gesprochen haben, dass man einen sinnvollen Umgang mit KI findet, der eben nicht kognitiv offloading produziert sondern eigentlich eher dann die Menschen bemächtigt quasi ermächtigt, sodass er sich selbst kognitiv, epistemisch aktiv zu sein.
00:32:18: Und dieses Kapitel zeigt vor allem auch sehr gut auf finde ich weshalb diese Aspekte so zentral sind um Studierende auf die Arbeitswelt und die Gesellschaft von heute und morgen fortzubereiten.
00:32:31: Ich denke die Hochschulen, auch unsere, die pädagogische Schule Zürich beschäftigen sich sehr intensiv mit all diesen Herausforderungen.
00:32:39: Die Größen drei ist in meiner Sicht Was wir gerade angesprochen haben, der neue Umgang mit Wissen wegen KI.
00:32:48: Dann sicher der nachhaltige umgang mit Ressourcen nicht nur aber auch in Bezug auf die Klimaveränderung wie jetzt der gerade vergangenen Sommer sehr deutlich gemacht hat.
00:32:59: da sind auch die Hochschulen finde ich als Bildungs- und Innovationsstätten sehr gefordert dass wir da Möglichkeiten finden wie wir gut damit umgehen können.
00:33:12: Demokratiebildung, also auch die KI und andere Aspekte von Digitalisierung machen das besonders wichtig.
00:33:21: Wie bleiben wir als Menschen einerseits individuell beim Lernen wie wir vorhin darüber gesprochen haben aber eben auch als ganze Gesellschaft quasi im Fahrersitz?
00:33:32: Und lassen uns nicht alles von irgendwelchen KI Instanzen vorgeben und sind dann quasi irgendwie blind im Nebel unterwegs sondern entscheiden noch selbst, wie wir unsere Gesellschaft auch gestalten wollen.
00:33:45: Und ich glaube da spielen Hochschulen eine wichtige Rolle.
00:33:48: und wenn wir jetzt noch von pädagogischen Hochschulern sprechen dann würde ich sagen das besondere an pädagogische Hochschule ist dass sie Lehrpersonen ausbildet.
00:33:58: Das heißt die Menschen die daneben Kinder jugendliche junge Erwachsene aus- und weiter bilden Da gibt es quasi den Doppeldecker, also dass die nicht nur selbst fit werden im Umgang mit KI sondern auch fit darin sind andere Menschen daran heran zu führen fit zu werden und selbstständig zu denken usw.
00:34:19: Also ich glaube das sind die großen Herausforderungen die wir momentan in allen Bildungsinstitutionen haben und in der Lehrerbildung vielleicht noch etwas mehr.
00:34:29: Tobias wir sprechen heute über Hochschuldetaktik.
00:34:32: wie kann die innoviert verbessert in die Zukunft geführt werden?
00:34:36: Lass uns an dieser Stelle noch einen Blick auf die Studierenden anderen Hochschulen werfen.
00:34:42: In eurem Buch beschreibt ihr die Vielfalt dieser Studierende als Ressource und nicht das Problem.
00:34:48: Mich spricht dieser Blick sehr an, und er entspricht ja auch dem was wir in der LinkedIn-Fachgruppe Transkulturelle Kompetenz pflegen bei der inzwischen über tausend Fachleute mit dabei sind.
00:35:00: Dort ist auch Prof.
00:35:01: Dr.
00:35:02: Gondola Quen-Hilla mit dabei, die auch schon mal hier im Podcast auf Besuch war als wir ihr Buch Interkulturelle Kompetenz und Diversität als Chance diskutierten.
00:35:14: Sie propagiert auch diese Perspektive.
00:35:17: sie sagt lasst uns Vielfalt als Chance sehen.
00:35:21: Ich bin interessiert von dir zu hören wo gelingt euch das an den Hochschulen bereits?
00:35:25: Und wo ist das noch eine Herausforderung?
00:35:27: also Ich sehe es wie gesagt auch so, dass Vielfalt primär mal eine Chance ist.
00:35:32: Aber es ist eben nicht automatisch schon eine Ressource sondern zunächst einmal ein Potenzial das man dann nutzen kann oder vielleicht manchmal auch nicht genutzt wird.
00:35:45: ich habe schon zu Beginn des Gesprächs in anderem Kontext angesprochen Lernende sind und waren schon immer sehr unterschiedlich in ihrem Vorwissen ihren Erfahrungen ihren Interessen und Lebenslagen, und zum Teil sogar in ihrer neurologischen Ausstattung.
00:36:01: Und eine vielfältigere Studierendenschaft macht das lediglich sichtbarer?
00:36:06: Ich würde sagen, insofern ist es dann ein Vorteil wenn wir sehen dass Studierende unterschiedlich sind weil es uns vor dieser Homogenitätstäuschung schützt die ich vorhin erwähnt habe also dass wir uns nicht so stark der Illusion hingeben wir könnten für irgendwelche normal studierende Lehren die es eigentlich gar nicht gibt.
00:36:25: Und gut gelingt der Umgang mit Vielfalt meines Erachtens dort schon, wo eben Perspektiven für das Lernen tatsächlich in ihrer Vielfald gebraucht werden.
00:36:37: Also zum Beispiel bei sorgfältig gestalteten Fallanalysen die meistens in Gruppen erfolgen, Projekten die oft in Gruppend bearbeitet werden vor allem wenn sie auch authentisch oder sogar reale Problemstellungen dann bearbeiten oder bei Pier Feedback Und dazu braucht es transparente Erwartungen, strukturierte Austauschprozesse unterschiedliche Zugänge zu Inhalten und eben auch Leistungsbeurteilung, Leistungsnachweise die solche Arten der Bearbeitung von Inhalten.
00:37:13: vorsehen und ermöglichen.
00:37:15: So üben Studierende aus meiner Sicht zugleich etwas, das sie dann auch in der Arbeitswelt oder in einer demokratischen Gesellschaft benötigen, nämlich mit Differenzen, mit unterschiedendem Produktiv umzugehen, scheiten – vielleicht ein hartes Wort – aber Schwierigkeiten gibt es dort wo wir Vielfalt zwar auf dem Papier begrüßen, Lehre und Strukturen aber sich weiterhin an einer fiktiven Homogenität, an einer Norm ausrichten Also einfach irgendwie mal heterogene Gruppen zusammensetzen und sagen, arbeitet mal so ohne gute Aufgaben.
00:37:50: Ohne Moderation, ohne psychologische Sicherheit eben weil wir zum Beispiel Beziehungen sorgfältig gestalten wie wir vorüber gesprochen haben funktioniert das nicht so gut.
00:38:00: Und die Leistungsbeurteilung könnte aus meiner Sicht hier eine besondere Rolle spielen.
00:38:06: oder hier liegt, dass man sich besonders viel Potenzial brach.
00:38:09: Hier haben wir im ganzen Bildungswesen – das beginnt schon in der Primarschule – eine besonders eng geführte Vorstellung davon wie es auszusehen hat und das trägt an der Vielfalt menschlichen Potentials viel zu wenig Rechnung.
00:38:24: weshalb Jetzt mal nur auf die Hochschulen bezogen.
00:38:27: Weshalb kann man Studierenden nicht verschiedene Formate anbieten, wie sie zeigen können was sie gelernt haben?
00:38:34: Zum Beispiel das ist für mich eines der besten Beispiele dass ich persönlich kenne bei uns in der Schweiz In der Ausbildung zur Sekundarlehrperson an der PA Bern ist es bei den allermeisten Modulen so, dass es zwei Leistungsnachweisformate gibt.
00:38:52: Das ist in dem Studienreglement geregelt, das die Lehrenden zwei Formate, die sich unterscheiden müssen, anbieten müssen und die Studierenden können wählen, in welchen von beiden sie zeigen was sie in diesem Modul gelernt haben also wie Sie die Lernziele erreicht haben.
00:39:10: Gestaltungsmöglichkeiten könnte man ganz viel erreichen, dass man eben mehr Vielfalt nutzen könnte.
00:39:17: Und entscheidend denke ich ist für Hochschulen deshalb wie wir die Bedingungen schaffen unter denen die Vielfald das Lernen sogar begünstigen kann und eben nicht irgendwie als Problem gesehen wird.
00:39:28: Ausgezeichnet Tobias in eurem Buch geht zum Hochschul didaktik.
00:39:33: Du hast gesagt, das Buch muss nicht stricke Reihenfolge nachgelesen werden.
00:39:37: man kann auch im eigenen Kapitel der Präferenz einsteigen.
00:39:41: Lass uns hier ein kleines Experiment mit didaktischer Reduktion wagen.
00:39:45: Angenommen eine junge Dozentin will jetzt nur ein einziges Kapitel aus dem Buch lesen.
00:39:52: welches würdest du ihm empfehlen und was genau soll sie danach in ihrer nächsten Lehrveranstaltung anders machen?
00:39:59: Ja, vielleicht überrascht es sich nicht wenn ich jetzt sage.
00:40:02: Ich möchte kein Kapitel besonders herausgreifen sondern würde der Dozent in Empfehlen zuerst unser Zürcher Rahmomodell für wirksame Hochschullehrer anzuschauen und zu überlegen wo sie momentan die größten Fragen hat.
00:40:15: ein Kapitel eins zwei ist dieses Modell auf wenigen Seiten kurz beschrieben?
00:40:21: Vielleicht könnte das dann auch noch helfen.
00:40:24: Ein Beispiel Wenn Sie zum Beispiel den Eindruck hat Die Studierenden bei ihr in ihrer Veranstaltung sind passiv, beteiligen sich wenig und sind unkritisch.
00:40:35: Dann könnte sie sich anhand des Modells überlegen ja ist es vielleicht die Feedback Kultur oder ist das die methodische Gestaltung?
00:40:47: Oder mein Umgang mit Rollen die größte Rolle spielen?
00:40:52: und dann würde ich ihr sagen dort, wo sie jetzt das Gefühl hat.
00:40:55: Dort könnt ihr sie am ehesten profitieren davon mal eben einen Fachtext zu lesen, einen Hochschuldidaktischen.
00:41:03: dieses Kapitel solltet sich herausgreifen und da nicht alles umstellen sondern einfach einmal eine oder zwei Aspekte diese besonders ansprechen oder überzeugend herausgreiven und dort mit kleinen Änderungen beginnen.
00:41:17: Und dann kommen die reflektive Haltung, ein interattives Vorgehen und so zum Tragen.
00:41:22: mich vorhin beschrieben habe vielleicht beim nächsten Mal vorbereiten stehen für sie schon andere Aspekte im Vordergrund und so geht es schrittweise weiter ohne dass man mir sagen muss ich muss dieses ganze Buch oder es gibt noch viel dickere hochschulidaktische Einführungen Man muss das irgendwie alles lesen bevor man überhaupt beginnen kann zu unterrichten.
00:41:43: Tobias, wir kommen langsam zum Ende von unserem Gespräch.
00:41:46: Traditionell versuche ich dort immer meine Notizen ein bisschen zusammenzufassen und in drei Punkten wiederzugeben.
00:41:54: Ich habe heute für mich notiert gute Lehre kann man vergleichen mit einer Landkarte Und das Zürcher Rahmenmodell ordnet wirksame Hochschullehre In drei Handlungsfelder Beziehung aufbauen Leeregestalten Orientierung ermögliche Und als Studierenden-Steh, da muss sich nicht die ganze Fachliteratur auswendig im Kopf haben.
00:42:19: Aber diese drei Felder bzw.
00:42:21: aufbauen leeregestalten Orientierung ermöglichen, diese drei Fälter helfen mir zu prüfen wo ich als Lehrender gerade stehe und was noch fehlt.
00:42:30: Zweitens habe ich mir aufgeschrieben – Die Lernbeziehung ist wichtig und sie kommt vor dem Stoff!
00:42:34: Viele Dozierende verstehen sich zuerst als Fachleut ihrer Disziplin Aber in eurem Buch stellt ihr die Beziehung bewusst an den Anfang, denn die Studierenden lernen besser wenn die Lerngruppe trägt und der Kontakt zur Lehrperson stimmt.
00:42:48: Das deckt sich auch mit dem was ich in meinen Hospitationen immer wieder beobachte und in dreißig Jahren Erwachsenenbildung gelernt habe.
00:42:56: Drittens nehme ich mit Prüfungen sind ein Kompass aber kein Messgerät!
00:43:01: Eine Biuteilung fördert das Lernen wenn Studierende daraus ablesen können wo sie stehen und was vielleicht die nächsten Schritte sein könnten, um weiterzukommen.
00:43:10: Wer nur Mist verschenkt das größte Steuerungsinstrument der Lehre?
00:43:15: Und das gilt auch im Zeitalter der generativen KI!
00:43:18: Die Werkzeuge ändern sich laufend – Der Anspruch an professionelle Lehre- und lernfördelliche Tidaktik bleibt.
00:43:24: Was meinst du zu meiner Zusammenfassung?
00:43:27: Gibt es Ergänzungen von
00:43:28: dir?!
00:43:29: Also ich finde, dass das wirklich super zusammengefasst.
00:43:31: Man merkt da deine große Expertise und Erfahrung in der didaktischen Reduktion.
00:43:37: Wenn ich einen Punkt ergänzen würde dann am ersten auf der Metaebene Nämlich, dass es keine Standortrezepte gibt um all diese Dinge die du jetzt hervorgehoben hast Und die ich wirklich voll unterschreiben würde zu erreichen.
00:43:51: also dieser Gegensatz oder von Modellen und Realität.
00:43:56: Und das zentrale ist, dass man immer wieder reflektiert was man tut in den Austausch mit allen Beteiligten geht – mit Studierenden, mit anderen Dozierenden vielleicht auch mit Studiengangsleitungen, Modulverantwortung, was es alles für Rollen gibt so in einem Studiengang und eben versucht verschiedene Perspektiven einzubeziehen selbst einzunehmen.
00:44:17: und deshalb ist es uns so wichtig, dass unser Buch Handlungsfelder der Hochschulidaktik emduzieren die dazu anrägt, reflektierte Praktikerinnen und Praktika zu werden.
00:44:27: Du rufst am Schluss zum Austausch aus zur Begegnung, um einander Fragenstellen zusammen forschen, Gedanken weiterspinnen entwickeln.
00:44:36: Mir ist Vernetzung auch ganz wichtig!
00:44:38: Darum frage ich immer am Schluss der Podcastepisode Wo kann man sich mit dir vernetzen?
00:44:44: Wie findet man dich?
00:44:45: Also ganz persönlich findet man mich auf LinkedIn.
00:44:50: Also einfach Tobias Zimmermann in LinkedIn suchen.
00:44:52: Es gibt glaube ich schon noch andere, aber man sieht dann bei meinem Porträt dort was um Erleeren und Lernen und Hochschulidaktik geht.
00:44:59: das bin ich Und das andere ist unser Zentrum.
00:45:04: Das findet man über die Webseite der PA Zürich.
00:45:08: Da wirst du glaube ich danach noch einen Link In die Show Notes stellen und spezifisch zum Buch gibt es einerseits eine Webseite des Verlagers zum Buch und andererseits machen wir im März, auch noch eine Tagung.
00:45:25: Die ist auch als Anlass aufgeschaltet bei uns auf der PA-Webseite.
00:45:30: Und die kann man auch googeln und wir freuen uns wenn vielleicht die eine oder andere aus der Hörerschaft an diese Tagung kommt und sich mit uns über das Buch austauscht.
00:45:41: ausgezeichnet.
00:45:42: Ich werde schauen, dass alle diese Links unten in den Show-Notes greifbar sind.
00:45:47: und ganz am Ende bleibt mir einfach noch dir ganz herzlich zu danken für dieses feine Gespräch!
00:45:53: Und ich wünsche euch an dem Buch die verdiente Aufmerksamkeit und dir und deinen Kolleginnen weiterhin alles Gute!
00:46:00: Vielen Dank Jibo für das Gespräch und ich freue mich auch auf den Austausch, auf Kontaktnahmen, Rückmeldungen... Ja, uns ist es wichtig mit allen im Auftrag zu sein.
00:46:11: Wenn dir diese
00:46:11: Podcast-Folge gefallen hat, dann freue ich mich über einen Like und eine positive Bewertung auf Apple und Spotify.
00:46:19: Mehr Informationen zu mir und meiner Arbeit findest du auch www.educationbinderstrichmines.com und auf linker den.
00:46:29: Alle Links findest
00:46:30: Du immer auch in den Shownotes!
00:46:34: Ich freue mich, Dich auch hier in dem
00:46:35: nächsten Episode wieder mit dabei
00:46:37: zu haben.
00:46:38: Bis dann
00:46:39: Dein Gastgeber, Ebo Wüst.
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